Atemaussetzer im Schlaf – so gefährlich sind sie wirklich

Haben Sie sich schon einmal erschrocken, weil Ihre Atmung einfach unbewusst ausgesetzt hat oder leiden Sie sogar unter Atemaussetzern im Schlaf? Rund sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland ist mit dieser Problematik konfrontiert. Häufig werden die Atemaussetzer im Schlaf auch gar nicht wahrgenommen, gesundheitlich können sie aber schwerwiegende Folgen haben. Wir vom S•MED Schlaflabor Recklinghausen zeigen Ihnen, wo die Gefahren liegen und welche Ursache sie haben, ab wann Sie einen Schlafmediziner aufsuchen sollten und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Ein Mann leidet unter Atemaussetzern während des Schlafens

Bei wem mehr als fünf Atemaussetzer pro Stunde auftreten, der sollte dringend ein Schlaflabor aufsuchen und sich behandeln lassen. Bildquelle: tommaso79 – 757983331 / shutterstock.com

Atemaussetzer im Schlaf – eine Ursache für die Tagesmüdigkeit

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie wachen morgens auf und fühlen sich alles andere als ausgeschlafen und das obwohl Sie doch eigentlich – zumindest aus subjektiver Sicht – ausreichend Stunden geschlafen haben. Am Tage haben Sie Probleme sich zu konzentrieren und Sie sind oft ohne erkennbaren Grund sehr gereizt. Die Müdigkeit lässt Sie eventuell sogar wiederkehrend kurzzeitig am Tage einschlafen.
Jeder von uns träumt ab und zu einmal schlecht oder hatte einfach zu viele Gedanken im Kopf, um zügig einzuschlafen. Doch wenn das nicht ausgeruhte Gefühl am Morgen und die Erschöpfung am Tage öfter oder gar regelmäßig vorkommen, dann sollten Sie handeln. Die Ursache für die morgendliche Müdigkeit und Erschöpfung sowie den schlechten Schlaf könnten nämlich Atemaussetzer in der Nacht sein – und zwar wahrscheinlich weitaus mehr als Sie vielleicht glauben mögen.

Atemaussetzer im Schlaf – Wie viele sind normal?

Atemaussetzer klingen nicht nur unschön, sie sind auch sehr gefährlich, zumindest dann, wenn sie regelmäßig und in einer höheren Frequenz auftauchen. Laut verschiedenen Statistiken leiden rund sechs Millionen Deutsche unter wiederkehrenden Atemaussetzern. Die Intensität der Erkrankung variiert zwischen den Betroffenen. Mit steigendem Alter erhöht sich zudem das Risiko für Atemaussetzer im Schlaf signifikant. Selbst nimmt man diese Atemaussetzer allerdings in der Regel nicht wahr, weswegen Hinweise vom Partner, Bekannten oder Freunden sehr ernst genommen werden sollten. Denn die gesundheitlichen Folgen von regelmäßigen Atemaussetzern können verheerend sein.

Um die Atmungsstörungen einordnen zu können, ist es zunächst einmal wichtig, deren Häufigkeit zu bestimmen. Denn auch gesunden Menschen fällt das Atmen nachts schwer. Speziell während der REM-Phase, der Traum-Phase, erhöht sich der Atemwegswiderstand beachtlich und kann auch bei völlig gesunden Menschen zu kurzzeitigen Atemaussetzern führen. Treten diese Atemaussetzer während des Schlafens maximal bis zu fünf Mal in einer Stunde auf, wird ihr Auftreten noch dem normalen Bereich zugeordnet. Bei mehr als fünf Atemaussetzern pro Stunde sollten Sie dringend einen Schlafmediziner oder das S•MED Schlaflabor Recklinghausen aufsuchen und sich professionell untersuchen lassen, so dass eine umfassende Diagnose erstellt werden kann.
Diese Atmungsstörungen sind sehr häufig Anzeichen für ein Obstruktives Schlafapnoesyndrom. Bei diesem Krankheitsbild treten diese Atemaussetzer teilweise häufiger als 100 Mal pro Nacht bei den Betroffenen auf. Aufgrund der fehlenden Sauerstoffversorgung der Organe erzeugt das Gehirn eine Weckreaktion, um der drohenden Gefahr der Sauerstoffunterversorgung entgegen zu treten. Dadurch wird der Körper geweckt und aus dem Schlaf gerissen. Auch wenn Sie diesen Vorgang gar nicht wahrnehmen, sorgt er dennoch dafür, dass der Körper nicht ausreichend in Tiefschlafphasen kommt, die zur Erholung des Körpers unabdingbar sind.

Aufgrund dieser zahlreiche Male in der Nacht vorkommenden Prozedere fühlen sich die betroffenen Menschen am nächsten Morgen häufig nicht ausgeruht und leiden unter teilweise extremer Tagesmüdigkeit. Die Folgen von Atemaussetzern im Schlaf werden im Folgenden noch näher behandelt. Neben dem Alter ist auch das Geschlecht ein Indikator für die Krankheit: Männer leiden acht Mal häufiger als Frauen unter dem Obstruktiven Schlafapnoesyndrom. Durch verschiedene Merkmale kann die Krankheit allerdings frühzeitig erkannt und effektiv behandelt werden. Sollten Sie diese Merkmale bei Ihrem Partner oder Partnerin bemerken, suchen Sie umgehend einen Schlafmediziner auf. Zu diesen Merkmalen gehören unter anderem:
Hauptmerkmale:

  • Lautes, teilweise unregelmäßig und explosionsartig auftretendes Schnarchen
  • Starke Tagesmüdigkeit
  • Atemaussetzer beim Schlafen
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen am Tag
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsmangel
  • Gereizte, teils depressive Stimmung, ohne scheinbaren Grund
  • Verstärkung der Symptome nach dem Verzehr von Alkohol
  • Libidoverlust/Impotenz
  • Nachtschweiß

Was ist die Ursache für Atemaussetzer?

Aus medizinischer Sicht resultieren Atemaussetzer in der Nacht von erschlaffender Muskulatur und einfallendem Gewebe in den oberen Atemwegen im Bereich des Schlunds. Die Muskulatur, die die Atemwege während des Schlafens offen halten soll, erschlafft und kollabiert, so dass es dem Betroffenen äußerst schwerfällt beziehungsweise teilweise unmöglich ist, weiter zu atmen. Diese Atemaussetzer im Schlaf können zwischen wenigen Sekunden bis zu ein bis zwei Minuten andauern.

Zudem existieren verschiedene Faktoren, die das Risiko für die Erkrankung deutlich erhöhen. Sie können mit ausschlaggebend für die Atemaussetzer sein beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit des Auftretens verstärken. Zu ihnen gehören:

  • Adipositas (Übergewicht)
  • Stress
  • Rauchen und Alkohol
  • Unregelmäßige Tages- und Nachtzyklen
  • Die individuellen anatomischen Gegebenheiten

Wie gefährlich sind Atemaussetzer und welche Folgen haben sie für den Körper?

Atemaussetzer verhindern einen erholsamen Schlaf. Neben den bereits erwähnten Tagesfolgen wie Konzentrationsschwäche, Einbußen in der Leistungsfähigkeit, schlechter Laune bis hin zu Depressionen sowie einer teilweise extremen Tagesmüdigkeit sind auch weitere und weitaus gefährlichere Folgen unumgänglich. Die hohe körperliche Dauerbelastung für das Herz-Kreislauf-System führt zum Absterben von Nervenzellen, zu Bluthochdruck sowie zu einem massiv erhöhten Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Bei nicht behandelten Betroffenen bleiben dauerhafte Schäden, die Lebensqualität sinkt massiv und die Lebenserwartung wird deutlich verkürzt. Es gibt allerdings auch Positives zu vermelden: Atemaussetzer sind nahezu vollständig therapierbar.

Wie können Atemaussetzer therapiert werden?

Die Art und Weise der Therapie hängt von individuellen Faktoren ab. Bei manchen Patienten reicht eine Umstellung der Lebensweise beispielsweise durch den Verzicht auf Nikotin und Alkohol, oder der Abbau von Übergewicht. In vielen Fällen reicht dieser therapeutische Weg allerdings nicht aus. Individuelle anatomische Gegebenheiten, beispielweise zu große Polypen oder verengte Atemwege, können so selbstverständlich nicht behoben werden. Doch genau hier greifen verschiedene therapeutische Verfahren, die wir alle im S•MED Schlaflabor Recklinghausen anbieten:

Therapeutische Verfahren:

  • Atemtherapie:
    Die nächtliche, nichtinvasive Beatmungstherapie wird in den meisten Fällen angewandt und stellt ein überaus wirksames therapeutisches Verfahren dar. Über eine Atemmaske, die nachts während des Schlafens getragen wird, sorgt ein leichter, kaum spürbarer Überdruck für eine Stabilisation der oberen Atemwege und verhindert so ihren Verschluss.
  • Operative Verfahren:
    Eine Vielzahl von Operationstechniken kann, abhängig von den anatomischen individuellen Gegebenheiten, dem Patienten ermöglichen, dauerhaft ohne die Verwendung einer Atemmaske wieder tief und problemlos zu schlafen.
  • Intraorale Schienen:
    Die sogenannten Proturisionsschienen sind wie eine Zahnschiene aufgebaut und verlagern den Unterkiefer um wenige Millimeter nach vorne. Dadurch wird eine Verengung der oberen Atemwege aufgehoben. Diese Methode kann allerdings nicht bei allen Patienten zum Erfolg führen.
  • Rückenlageverhinderungswesten:
    Bei manchen Patienten treten die nächtlichen Atemaussetzer nur in Rückenlage auf. Mit sogenannten Rückenlageverhinderungswesten kann diesen Patienten meistens schon geholfen werden. Allerdings therapieren sie nicht grundsätzlich die Ursachen der Atemaussetzer.

Welche therapeutischen Maßnahmen für Sie am hilfreichsten, effektivsten und angenehmsten sind, sollten Sie mit einem Schlafmediziner fachlich analysieren und besprechen. Für manch einen mag eine Operation eher in Frage kommen als beispielsweise eine Atemtherapie.

Wie erkenne ich Atemaussetzer?

Atemaussetzer im Schlaf sind subjektiv leider schwer zu erkennen. Manchmal registriert man diese nach einem schreckhaften Erwachen auch selbst, meistens werden sie während des Schlafens allerdings nicht wahrgenommen. Hinweise des Partners oder von Freunden sollten daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Doch es gibt einige Warnhinweise, die Sie selbst erkennen können und durchaus ernstnehmen und von einem Schlafmediziner untersuchen lassen sollten. Dazu gehört neben den bereits erwähnten körperlichen und psychischen Folgen am Morgen auch starkes Schnarchen. Eine Untersuchung in einem Schlaflabor kann die Ursache von Atemaussetzern diagnostizieren. Anschließend können die auf Sie zugeschnittenen Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.

Wie gefährlich sind Atemaussetzern bei einem Baby?

Eine häufige Sorge von frisch gebackenen Eltern sind vermeintliche Atemaussetzer bei ihren Neugeborenen. Doch große Sorgen brauchen Sie sich hierbei nicht zu machen, zumindest nicht, solange sich vermeintliche Atemaussetzer im statistischen Rahmen bewegen.
Babys durchlaufen nachts genauso wie Sie einen Schlafzyklus, bei dem die Atmung in ihrer Intensität und Häufigkeit variiert. Mal atmet Ihr Baby langsam und ruhig, mal tiefer und schneller. Während der Atmung ist es dabei nicht ungewöhnlich, dass Ihr Baby auch kurze Atemaussetzer integriert. Diese Atempausen reichen allerdings nicht länger als fünf Sekunden. Mit steigendem Alter verändert sich auch das Atemmuster. Es besteht daher kein Grund zur Sorge.
Kritisch wird es nur dann, wenn die Atemaussetzer in deutlich höherer Anzahl sowie Länge auftreten. In diesem Fall sollten Sie mit Ihrem Baby einen Schlafmediziner aufsuchen, der mittels schlafmedizinischer Diagnostik die Ursache für die Atemaussetzer abklären kann.

Fazit: So sollten Sie bei Atemaussetzern handeln!

Mit Atemaussetzern ist wirklich nicht zu spaßen. Treten sie nur selten und vereinzelt auf, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Sollten Ihnen allerdings einige der Warnhinweise bekannt vorkommen, Sie regelmäßig schnarchen oder Ihnen bereits Hinweise Ihres Partners gegeben worden sein, sollten Sie sich unbedingt in einem Schlaflabor wie dem S•MED Schlaflabor Recklinghausen von qualifizierten Schlafmedizinern untersuchen lassen. Nur so können die effektiven Therapiemaßnahmen individuell auf Sie zugeschnitten und eingeleitet werden. Und nur so erhalten Sie endlich wieder Ihren erholsamen Schlaf und Lebensqualität zurück, getreu unserem Motto:

Nachts gut schlafen, tagsüber fit.

Autor: Prof. Dr.med. Dr.med.dent. Dr.h.c. Ralf Siegert

By | 2018-08-16T11:49:10+00:00 Juli 9th, 2018|Atemaussetzer|1 Comment

One Comment

  1. Norbert 23. August 2018 at 12:25 - Reply

    Sehr toller Artikel. Ich kann jedem nur empfehlen, dass ein Arzt aufgesucht wird. Ich litt 20 Jahre an Schlafaussetzer und hab nach der OP nun endlich wieder „luft“.

    Grüße Norbert

Leave A Comment

*