Schlafendoskopie: das Schnarchen sichtbar machen

Schnarchen ist in unserer Gesellschaft eine weit verbreitete Schlafstörung. Sie belastet zunächst einmal den Bettpartner und kann eine Beziehung auf die Probe stellen. Für den Schnarcher selbst können diese Geräusche ein Warnsignal für eine beginnende oder bereits vorhandene gefährliche Schlafstörung wie beispielsweise das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS) mit erheblichen Herz-Kreislaufbelastungen sein.

Mittels einer Schlafendoskopie lässt sich auf eine relativ einfache und effektive Art und Weise der Entstehungsort des Schnarchens diagnostizieren. Durch die von uns eingeführten Simulationsverfahren können darüber hinaus mögliche Therapiemaßnahmen auf ihre individuelle Effizienz getestet werden. Daraus können die für jeden Einzelnen optimalen konservativen, apparativen oder chirurgischen Therapien abgeleitet werden.

arzt hält endoskop

Die Ursachen für Schnarchen können mit einer Schlafendoskopie festgestellt werden. Bildquelle: sfam_photo – 385135876 / Shutterstock.com

Was ist eine Schlafendoskopie und wozu dient sie?

Die Schlafendoskopie (Somnoendoskopie) ist eine Untersuchung zur Lokalisation der Ursache von Schnarchgeräuschen und Engstellen der Atemwege. Ziel ist es, den exakten Punkt zu lokalisieren, an dem Vibrationen an Schleimhaut oder Weichteilstrukturen entstehen, sowie Engstellen der Atemwege zu finden. So kann der Mechanismus festgestellt werden, welcher für das Schnarchen verantwortlich ist. Hierfür wird der Patient in einen schlafähnlichen Zustand versetzt, bei dem die Muskulatur wie beim natürlichen Schlaf erschlafft. Während des künstlich erzeugten Schlafes zeigen sich die typischen nächtlichen Symptome und der betroffene Patient fängt an zu schnarchen.

endoskopie grafik

Bildquelle: Studio BKK – 576679978 / Shutterstock.com

Nun werden mit Hilfe eines dünnen flexiblen Endoskops (Nasopharyngoskop), welches durch die Nase eingeführt wird, der Nasen-Rachenraum, die Mundhöhle, der Rachen, der Schlund und der Kehlkopf genau untersucht. So können anatomische Besonderheiten und Engstellen inspiziert werden. Je nach individueller Begebenheit können dabei unterschiedliche Formen des Schnarchens sicht- und hörbar gemacht werden.

Die häufigsten Schnarch-Formen:

  • Das Gaumen- und Zäpfchenschnarchen ist die am häufigsten auftretende Schnarch-Form.

  • Ebenfalls weit verbreitet ist das Epiglottisscharchen, bei dem der Kehlkopfdeckel durch den Unterdruck wie ein Ventil angesaugt wird und entweder vibriert beziehungsweise schnarcht oder sogar den Kehlkopf vorübergehend verschließt.

  • Schnarch-Vibrationen aufgrund eines zu großen Zungengrundes kommen zwar etwas seltener vor, gehören aber dennoch zu den häufigsten Schnarch-Formen.

  • Bei Kindern ist dagegen das Mandelschnarchen weit verbreitet. Das liegt an den für ein junges Alter typischen großen Tonsillen (Mandeln).

Die unterschiedlichen Schnarch-Formen können sich auch gegenseitig beeinflussen oder abwechseln. Dieses kann während der Schlafendoskopie sichtbar gemacht werden. Nicht selten treten auch verschiedene Schnarch-Formen bei einem und demselben Patienten gleichzeitig oder nacheinander auf, die sich insbesondere bei einer Änderung der Körperlage gegenseitig abwechseln. Letztlich lässt sich so das komplexe Bild der Schnarchgeräusche individuell sehr präzise sichtbar machen und analysieren.

In der nächsten Stufe folgen dann einige Therapiesimulationen. Diese umfassen:

  • Die Änderung der Körperlage
  • Die Vorverlagerung des Unterkiefers
  • Die Vorverlagerung des weichen Gaumens und des Zäpfchens

Der „schlafende“ Patient nimmt diese Therapiesimulationen natürlich nicht wahr. Die Schlafmediziner können allerdings testen, welche Auswirkungen diese Maßnahmen haben und ob sie einen Einfluss auf die anderen Engstellen besitzen. Dadurch kann mit höchstmöglicher Genauigkeit vorhergesagt werden, durch welche Behandlung dem Patienten am besten geholfen werden kann.

Mittels eines Videonasopharyngoskopes und eines Mikrofons können die Vibrationen im Bereich der oberen Atemwege festgehalten werden. Auch vollständige Atemaussetzer, wie sie bei dem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom vorkommen, können aufgezeichnet und visuell dargestellt werden. Anhand der Videoaufzeichnung wird anschließend an die Schlafendoskopie gemeinsam mit dem Patienten und auf Wunsch auch mit seinem Partner besprochen, welche Behandlungsform sich für den Betroffenen am besten eignet.

Speziell bei Patienten, die unter nächtlichen Atemaussetzern leiden, liefert die Schlafendoskopie im S•MED Schlaflabor Recklinghausen eindrucksvolle Ergebnisse, die eine schnelle, effektive und zielgerichtete Therapie ermöglichen.

Wie gestaltet sich der Ablauf einer Schlafendoskopie?

Eine Schlafendoskopie ist eine ambulante und völlig schmerzfreie Untersuchung. Nach einem Vorgespräch mit dem Schlafmediziner wird der Patient „verkabelt“ und in einen narkose-ähnlichen, künstlichen Schlaf versetzt.
Der Arzt beginnt daraufhin, mit dem dünnen und flexiblen Endoskop die oberen Atemwege (Nase, Rachen, Schlund und Kehlkopf) ausführlich zu untersuchen. So können die Funktionalität der Atmung sowie die anatomischen Strukturen der oberen Atemwege des Patienten umfassend untersucht werden.

Der künstliche Schlaf wird so gesteuert, dass der Patient nach der Untersuchung schnell wieder aufwacht. Eine Schlafendoskopie dauert in der Regel nur eine halbe Stunde. Schon nach einer kurzen Aufwachphase kann der Patient die Praxis wieder verlassen, aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen allerdings nur in Begleitung. Schmerzen entstehen bei der Schlafendoskopie nicht.

Wann ist eine Schlafendoskopie sinnvoll und wie stehen die Erfolgschancen?

Bei typischen Anzeichen von Schlafstörungen und Schnarchen ist eine umfassende HNO-ärztliche und schlafmedizinische Untersuchung zu empfehlen. Diese umfasst neben einer Polygraphie (Screening) auch eine Schlafendoskopie. Die Kombination dieser beiden Untersuchungen ermöglicht eine sehr präzise Diagnostik zur Feststellung der genauen Entstehungsorte des Schnarchens und des Ausmaßes der Verengung und damit der Atemaussetzer und der Herz-Kreislaufbelastungen.

Die schmerzfreie und schonende Diagnostik kann durch eine nächtliche Untersuchung im Schlaflabor, die sogenannte Polysomnographie erweitert werden. Anschließend werden sämtliche Befunde schlafmedizinisch bewertet und analysiert. Hieraus entwickeln wir für Sie Ihre individuellen, erfolgsversprechenden Therapiemaßnahmen.

Wer führt eine Schlafendoskopie aus?

Seit Jahrzehnten führen wir, die Schlafmediziner vom S•MED Schlaflabor Recklinghausen, routinemäßig Schlafendoskopien durch. Seit über 15 Jahren nutzen wir hierfür auch die von uns entwickelten Simulationstests. Es ist für unsere Patienten neben der nächtlichen Untersuchung der wichtigste Baustein für die gezielte, individuelle Therapieplanung.

Wir heißen Sie im S•MED Schlaflabor Recklinghausen in der Hohenzollernstraße 5 in 45659 Recklinghausen herzlich willkommen. Denn nichts fühlt sich besser an als:

Nachts gut schlafen, tagsüber fit.

Autor: Prof. Dr.med. Dr.med.dent. Dr.h.c. Ralf Siegert

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