10 – 20 % der Bevölkerung der Welt leiden unter Schlafstörungen. Neben schlafbezogenen Atmungsstörungen wie Schnarchen mit Atempausen sind Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) die häufigsten Formen. Deren Ursachen sind vielfältig und reichen von körperlichen Erkrankungen über hormonelle Veränderungen (z.B. Wechseljahre) bis hin zu psychischen Belastungen (z.B. Mobbing, Schulden, Verlust von Angehörigen) oder unangemessener Schlafumgebung (z.B. Lärm).
Anstatt sich Hilfe von einem qualifizierten Schlafmediziner (Somnologe) zu holen, gehen viele Betroffene den einfacher scheinenden Weg und konsumieren häufig unkontrolliert Schlafmittel. Viele Hausmittel und Schlaftabletten sind frei erhältlich, andere sind rezeptpflichtig und sollten ärztlich kontrolliert werden. Sowohl bei den rezeptpflichtigen Medikamenten als auch bei den sogenannten „freien Mitteln“ müssen die richtige Dosierung, mögliche Nebenwirkung und die Grenzen der Behandlung beachtet werden. Was Sie daher über Schlaftabletten und Schlafmittel wissen sollten, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Schlafstörungen verleiten immer wieder zur Einnahme von Schlaftabletten. Bildquelle: Pexels / Pixabay.com
Schlafstörungen verleiten immer wieder zur Einnahme von Schlaftabletten. Bildquelle: Pexels / Pixabay.com

Schlaftabletten – eine Volksdroge?

Schlaftabletten und Schlafmittel sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Arzneimittelmarktes in Deutschland. Im Gesundheitsreport der DAK aus dem Jahre 2017 wurden Daten von 2,6 Millionen Menschen ausgewertet. Daraus ergab sich, dass rund 80 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland an Schlafstörungen leiden. Hochgerechnet sind das ca. 34 Millionen Menschen in Deutschland. Fast 10 Prozent von ihnen (rund 3 Millionen) greifen deshalb täglich oder fast täglich zu Schlaftabletten, Schlafmitteln oder Beruhigungsmitteln. Im Jahr 2020 ergab eine statistische Erhebung in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre, dass ca. eine Millionen Personen täglich Schlafmedikamente zu sich nehmen.
Die Zahlen schwanken je nach Alter und Einschlusskriterien der untersuchten Kollektive. Worin aber alle Studien übereinstimmen ist, dass Schlaftabletten und andere Schlafmittel in der deutschen Gesellschaft weit verbreitet sind und regelmäßig eingenommen werden. Die Gründe sind dabei vielfältig. Viele der Menschen, die derartige Arzneien zu sich nehmen, sind aber nicht ausreichend über Risiken, Nebenwirkungen, Dosierung und Einnahme informiert. Im Folgenden sollen daher die wichtigsten Fragen zu Schlaftabletten und Schlafmitteln beantwortet werden.

Was versteht man unter Schlaftabletten und Schlafmitteln?

Schlafmittel und Schlaftabletten gehören nicht zu einer bestimmten Arzneinmittelgruppe. Es handelt sich eher um Medikamente, die neben ihrer Hauptwirkung (z.B. Antidepressiva) auch schlaffördernde Eigenschaften besitzen. Manche von ihnen wie beispielsweise Melatonin können den Tag-Nacht-Rhythmus regulieren.
Da es sich um verschiedene Präparate handelt, weisen Schlafmittel und Schlaftabletten durch deren variable Wirkungsweise einen unterschiedlichen Einfluss auf das Schlafprofil sowie ein breites Spektrum von möglichen Nebenwirkungen auf.
Schlafmittel und Schlaftabletten gehören heutzutage neben der kognitiven Verhaltenstherapie zur Standardtherapie der Insomnie. Unter Insomnie versteht man Probleme beim Ein-/ Durchschlafen bzw. vorzeitiges Erwachen.
Die am häufigsten eingesetzten Medikamente hierzu sind die klassischen Hypnotika (sogenannte Benzodiazepine), die rund 67 Prozent ausmachen, die Benzodiazepinrezeptoragonisten (sogenannte „Z-Substanzen“, rund 18 Prozent und sedierenden Antidepressiva, die rund 13 Prozent ausmachen. In Deutschland stehen zur Behandlung der Insomnie folgende Medikamente zur Verfügung:

  • Benzodiazepinhypnotika: (z.B Lormetazepam, Temazepam, Nitrazepam, Brotizolam, Flunitrazepam, Flurazepam, Triazolam)
  • Benzodiazepinrezeptoragonisten/“Z-Substanzen“: Zopiclon, Zolpidem
  • Antidepressiva: Doxepin, Amitriptylin, Trimipramin
  • Sonstige: Melatonin, Chloralhydrat, Anhtihistaminika (Doxylamin, Diphenhydrami) und einige pflanzliche Präparate (meist auf Baldrian-Basis)

Es gibt aber noch Medikamente, die zulassungsüberschreitend (sogenannte „Off-label-Use“) bei bestimmen Indikationen weiterhin verordnet werden wie sedierende Antidepressiva (z. B. Trazodon) oder unterschiedliche Anti-Psychotika (z.B. Chlorprothixen, Melperon, Promethazin, Quetiapin).
Welches Schlafmittel oder welche Schlaftabletten therapeutisch eigesetzt werden, muss jedes Mal individuell entschieden werden. Bei dieser Entscheidung müssen die Art und Ausprägung der klinischen Beschwerden, die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen sowie die individuelle Abwägung der möglichen Risiken und Nebenwirkungen berücksichtig werden. Alle diese Faktoren sind entscheidend für die Auswahl der „richtigen“ Schlaftabletten oder Schlafmittels.

Wer verschreibt Schlaftabletten und Schlafmittel?

Es gibt in Deutschland zwei Möglichkeiten, an die entsprechenden Arzneimittel zu kommen. Sie werden entweder auf einem Rezept (Kassen- oder Privatrezept) vom Arzt verschrieben oder sie sind frei verkäuflich in Apotheken oder sogar einigen Supermärkten sowie im Versandhandel erhältlich.
Grundsätzlich kann jeder Facharzt Schlaftabletten oder Schlafmittel verschreiben. Wichtig dabei sind die ausreichenden Kenntnisse seitens des behandelnden Arztes über die Wirkungsweise sowie die Indikation der jeweiligen Schlaftabletten, damit der individuelle Fall des Patienten optimal behandelt werden kann. Bevor eine medikamentöse Therapie bei einer Schlafstörung eingeleitet wird, muss grundsätzlich eine schlafmedizinische Abklärung erfolgen. Hierfür ist ein Schlaflabor wie das S•MED Schlaflabor Recklinghausen mit seiner jahrzehntelangen Tradition und den langjährigen Erfahrungen des interdisziplinären Teams von Schlafmedizinern der richtige Ansprechpartner.

Wann sollten Schlaftabletten und Schlafmittel angewendet werden?

Schlafstörungen gehören zu den insgesamt häufigsten Symptomen, über die Patienten klagen. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen und Erhebungen leiden ca. 15 -20 Prozent der Bevölkerung unter Schlafstörungen. Frauen, Patienten mit neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen und ältere Menschen weisen dabei deutlich häufiger Schlafprobleme auf. Bevor aber eine medikamentöse Therapie (sog. Pharmakotherapie) bei einer Schlafstörung eingeleitet wird, muss unter optimalen Bedingungen eine schlafmedizinische Abklärung erfolgen, bei der psychiatrische oder organische Grunderkrankungen ausgeschlossen werden können.
Einzelne Nächte mit einer reduzierten Schlafqualität ohne aber sonstigen Einschränkungen der Tagesbefindlichkeit bedürfen in der Regel keiner Therapie. Beim Vorliegen einer verhaltensbedingten Schlafstörung sollten Entspannungsverfahren wie z.B. autogenes Training sowie das Einhalten der sog. schlafhygienischen Maßnahmen versucht werden. Dazu zählen das Einhalten regelmäßiger „Zu-Bett-Geh-Zeiten“ und entspannender abendlicher Rituale, keine größeren körperlichen oder psychischen Belastungen und auch keine opulenten Mahlzeiten 2 Stunden vor dem Gang ins Schlafzimmer, die richtige Temperierung des Schlafraumes u.v.m. (Zur Schlafhygiene folgt in Kürze ein weiterer Beitrag.)
Bei Persistenz der Schlafstörung begleitet von einer deutlichen Zunahme von Beschwerden tagsüber wie Leistungsminderung, Gedächtnisstörung, Abgeschlagenheit, Einschlafneigung oder ähnlichem ist die Indikation zur Pharmakotherapie gegeben. Schlafmittel sollten aber nur dann eingesetzt werden, wenn die schlafhygienischen Maßnahmen als Therapie der ersten Wahl nicht ausreichend wirksam sind oder die Ursache der Schlafstörung anders nicht behandelbar ist.
Bei leichten Schlafstörungen sollten Schlaftabletten und Schlafmittel idealerweise als kurzzeitige Therapien angesehen werden. Die Einnahme muss in einer möglichst niedrigen Dosis erfolgen. Bei chronischen Schlafstörungen können die Schlafmittel im Sinne einer ergänzenden Maßnahme im Rahen des schlafmedizinischen Gesamtkonzeptes eingesetzt werden. In diesem Fall ist eine sogenannte Intervalltherapie ratsam. Die Schlaftabletten und Schlafmittel werden an maximal drei Tagen pro Woche eingenommen, so dass eine körperliche Toleranz- sowie Abhängigkeitsentwicklung verhindert wird.

Wie schnell wirken Schlaftabletten und Schlafmittel?

Schlaftabletten und Schlafmittel unterscheiden sich in ihrer Wirkstärke sowie in ihrer Pharmakokinetik relativ stark voneinander. Wie schnell die Wirkung einer Schlaftablette einsetzt und wie lang diese Wirkung hält, hängt von der entsprechenden Halbwertszeit sowie von der Dosierung ab. Diese Tatsache sollte vor jeder Einnahme von Schlaftabletten und Schlafmitteln berücksichtigt werden. Die Fakten:

  • Alle verfügbaren Schlaftabletten und Schlafmittel können in ausreichender Dosierung den Schlaf herbeiführen. Eine hohe Dosierung besonders bei stark wirksamen Schlafmitteln ist aber mit der Gefahr einer Kumulation des Arzneimittels verbunden, welche eine Nachwirkung des Medikamentes am nächsten Tag zur Folge hat.
  • Anhand ihrer Halbwertszeit kann die Wirkdauer abgeschätzt und konsequenterweise die passenden Schlaftabletten oder Schlafmittel für die entsprechende Schlafstörung verordnet werden. Bei Einschlafstörungen werden beispielsweise Schlaftabletten verordnet, die zwar schnell, aber für kurze Zeit wirken. Bei Durchschlafstörungen sind eher mittellang wirksame Medikamente sinnvoll. Langzeitwirkende Schlafmittel werden angewendet, wenn auch tagsüber eine beruhigende Wirkung erwünscht ist.

Leidet die Schlafqualität unter Schlaftabletten und Schlafmitteln?

Medikamente, die verabreicht werden, um den Schlaf-Wach-Zyklus zu beeinflussen, lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  1. Hypnotika, die das klare Ziel haben, den Schlaf herbeizurufen und sogar aufrechtzuhalten
  2. Stimulantien, welche die Tages-Vigilanz fördern
  3. Chronobiotika, welche den zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen

Hypnotika haben unter den drei Kategorien die größte therapeutische Bedeutung und werden am häufigsten in der Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) eingesetzt. Das ideale Schlafmittel beziehungsweise die perfekten Schlaftabletten, die durch ihre Wirkung das gleiche nächtliche Schlafmuster wie im natürlichen Schlaf erzeugen können, existieren leider nicht. Alle Schlafmittel verändern in unterschiedlicher Weise die Schlafarchitektur.
Benzodiazepine und Benzodiazepinrezeptoragonisten stellen die wichtigste Gruppe der Hypnotika dar. Es handelt sich generell und bei richtiger Einnahme um gut verträgliche, sichere und wirksame Schlafmittel. Sie reduzieren die Einschlafzeit und erhöhen die Gesamtschlafzeit um 30 bis 60 Minuten. Weitere Veränderungen sind eine leichte Reduktion des REM-Schlafes (Traumphase), eine Verlängerung des Leichtschlafes sowie eine Verkürzung des Tiefschlafes. Alle Schlafmittel führen zu mehr oder weniger charakteristischen Änderungen der Hirnaktivitäten, die im Rahmen einer polysomnographischen Messung im Schlaflabor im Elektroenzephalogramm (EEG) nachzuweisen sind. Die Induktion des Schlafes sowie die Verlängerung der Schlafzeit sind allerdings nicht unmittelbar mit einer Verbesserung der Schlafqualität assoziiert.

Wie sollten Schlaftabletten und Schlafmittel dosiert werden?

Die Pharmakotherapie in der Schlafmedizin ist ein wichtiger Bestandteil des therapeutischen Gesamtkonzeptes in der Behandlung von Schlafstörungen, muss aber immer mit Vorsicht verwendet werden. Leitlinien empfehlen die Behandlung mit Schlaftabletten und Schlafmitteln so kurz wie möglich zu halten und in der Regel wenige Tage bis maximal drei bis vier Wochen durchzuführen. In medizinisch begründeten Einzelfällen kann die Therapie verlängert werden. In diesem Fall muss aber die Gesamtsituation des Patienten regelmäßig neu bewertet und analysiert werden.
Viele Schlaftabletten und Schlafmittel können nicht nur den Schlaf, sondern auch die Tagesbefindlichkeit im Sinne von Folgeeffekten beeinflussen. Sie können z.B. Müdigkeit, Schwindelgefühle, Kreislaufprobleme, Antriebslosigkeit, Störung des Reaktionsvermögens oder auch Angststörungen hervorrufen. Zudem ist die Gefahr der Gewöhnung und der Entwicklung einer Abhängigkeit, z.B. bei den Benzodiazepinen, relativ groß.
Bei der Einnahme von Schlafmitteln sollten deswegen folgende Grundregeln beachtet werden:

  • Es sollte immer die therapeutisch niedrigste Dosis verordnet werden.
  • Die Verabreichung sollte zeitlich befristet und intermittierend erfolgen. Schlafmittel sind am besten für kurzfristige Schlafstörungen geeignet.
  • Schlaftabletten und Schlafmittel mit kurzer Halbwertszeit sind zu bevorzugen.
  • Die Pharmakotherapie sollte immer ausschleichend beendet werden, um eine sogenannte Rebound-Insomnie zu vermeiden.

Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen von Schlaftabletten und Schlafmitteln

Schlaftabletten und Schlafmittel ohne Risiken und Nebenwirkungen existieren leider nicht. Schlaftabletten werden in verschiedenen Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe hat dabei ihre Vor- und Nachteile. Die drei häufigsten Medikamentengruppen sind die sog. Benzodiazepine, die Benzodiazepinrezeptoragonisten sog “Z-Substanzen“ und die sedierenden Antidepressiva. Sie können in unterschiedlichem Maße verschiedene Nebenwirkungen aufweisen.
Überhangseffekte: Je nach Wirkdauer und Dosierung des Medikamentes kann es auch am nächsten Tag zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kreislaufproblemen, Beeinträchtigung der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie des Reaktionsvermögens kommen. Diese Folgeeffekte machen sich am Anfang nicht immer bemerkbar und können im schlimmsten Fall auch zu Unfällen führen.

Toleranzentwicklung gegenüber Schlaftabletten und Schlafmitteln

Das wichtigste Problem der Behandlung mit Benzodiazepinen stellt die Toleranzentwicklung dar. Die Folge dieser Wirkungsabschwächung, in der Regel auftretend in einem Zeitraumen von zwei bis vier Wochen, ist die Steigerung der Dosis. Die Gewöhnung kann mit Steigerung der Dosis sowie der Therapiedauer zu einer Abhängigkeit führen.
Abhängigkeit: Mit fehlender schlafanstoßender Wirkung kann es bei einigen Patienten zur Dosissteigerung und entsprechender Entzugssymptomatik kommen.
Wir unterscheiden zwischen einer körperlichen Abhängigkeit, wobei die Dosissteigerung der Dämpfung der Entzugssymptome dient, und einer psychischen Abhängigkeit. In diesem Fall kommt der Patient zu der Überzeugung, dass er ohne Schlafmittel nicht mehr schlafen kann. Demzufolge wird die medikamentöse Therapie fortgesetzt, ohne dass hier noch eine strenge medizinische Indikation vorliegt oder Alternativen ausreichend konsequent angewandt worden sind.
Entzugserscheinungen: Zu einem Entzugs-Syndrom kommt es bei einem abrupten Absetzung des Schlafmittels. Die Symptome z.B. des Benzodiazepin-Entzugs sind ausgesprochen vielschichtig. Auftreten können unter anderen Schlafstörungen wie Alpträume, Delir, innere Unruhe, Angstzustände, Depressivität, psychovegetative Symptome bis hin zu Wahrnehmungsstörungen.
Rebound-Insomnie: Das schnelle Absetzen von verschiedenem Schlafmittel kann zur sogenannten Rebound-Insomnie führen. Die Patienten klagen in dem Fall erneut über eine wiederauftretende Schlafstörung bzw. Schlaflosigkeit. Am stärksten tritt diese Störung bei hoher Dosierung und bei Mitteln mit kurzer Wirkdauer auf.
Atemsuppression: Schlafmittel dämpfen das zentrale Nervensystem und können zu einer Beeinträchtigung der Atmung führen. Problematisch wird es bei Patienten mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder der Atemwege sowie beim Vorliegen einer Schlafapnoe.
Sturzrisiko: Benzodiazepine erhöhen die Sturzgefahr bei Nacht, weil sie eine muskelentspannende Wirkung haben. Besonders gefährdet sind ältere Patienten, wenn sie in der Nacht aufstehen müssen, um beispielsweise die Toilette aufzusuchen.
Paradoxe Wirkung: Einige Patienten, insbesondere ältere Menschen und Kinder, die zum ersten Mal Schlaftabletten und Schlafmittel speziell in höheren Dosen bekommen, können eine sogenannte paradoxe Reaktion erleben. Anstatt einer Entspannung können Unruhe, Angst und Panik auftreten.
Sonstige: Gedächtnisstörungen, Sehstörungen, Mundtrockenheit, Amnesie, Speichelfluss, Hypotonie (Blutdruckabfall), Juckreiz, Kopfschmerzen u.v.m.
Wechselwirkungen: Alle Schlaftabletten und Schlafmittel weisen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf. Insbesondere Alkohol kann Wirkungen und Nebenwirkungen von Schlaftabletten erheblich verstärken.
Wichtige Kontraindikationen: Schlaftabletten und Schlafmittel sollten bei folgenden Situationen sehr vorsichtig oder gar nicht eingesetzt werden:
Beim Vorliegen von schlafbezogenen Atmungsstörungen, Myasthenia gravis, chronischer Ateminsuffizienz, neurologischen Erkrankungen (z.B. Ataxie), Schwangerschaft- und Stillzeit, akuten Intoxikationen mit sedierenden Substanzen (Alkohol, Psychopharmaka), Überempfindlichkeit auf den jeweiligen Wirkstoff, schweren Leber- oder Nierenleiden, Drogen- und Alkoholmissbrauch.
Das grundsätzliche Problem mit der medikamentösen Therapie von Schlafstörungen liegt darin, dass Schlaftabletten und Schlafmittel nur eine symptomatische und leider vorübergehende Wirkung ermöglichen, wobei die Ursachen der Schlafstörungen nach Beendigung der Therapie in der Regel weiterhin bestehen.

Können Schlaftabletten und Schlafmittel abhängig machen?

Die missbräuchliche Anwendung von Schlafmitteln ist ein weit verbreitetes gesundheitliches und soziales Problem. Nach den aktuellen Schätzungen nehmen über 80 Prozent der Medikamenten-Abhängigen Schlafmittel. Das betrifft am häufigsten Hypnotika aus der Gruppe der Benzodiazepine und sogenannten Z-Substanzen. Nach epidemiologischen Untersuchungen ergibt sich eine Prävalenz für Missbrauch von 0,8 Prozent und für Abhängigkeit von 1,4 Prozent.
Der Konsum von Benzodiazepinen steigt mit dem Alter deutlich an. Besonders beunruhigend ist der vermehrte Einsatz dieser Schlafmittel in geriatrischen sowie psychiatrischen Einrichtungen. Über eine Million Menschen in Deutschland sind schätzungsweise abhängig von Benzodiazepinen.
Die Nutzung von Schlaftabletten und Schlafmitteln sollte deswegen so kurz wie möglich gehalten werden und in der Regel wenige Tage bis zwei Wochen umfassen. Eine Verlängerung der medikamentösen Behandlung benötigt dann eine individuelle Evaluation der Gesamtsituation und Abwägung der Risiken. Bevorzugt sollten Schlafmittel eingesetzt werden, welche nur ein geringes Risiko der Entwicklung einer Abhängigkeit aufweisen.

Dürfen Schlaftabletten und Schlafmittel in Kombination mit Alkohol eingenommen werden?

Schlaftabletten sollen in der Regel nicht mit Alkohol kombiniert werden. Der einfache Grund: Schon kleine Mengen an Alkohol können die Wirkung der Medikamente um ein Vielfaches verstärken. Die Konsequenz davon ist eine verlängerte und verstärkte Sedierung sowie Dämpfung des zentralen Nervensystems.
Die Kombination von Schlaftabletten und Alkohol kann deswegen mit einer Vielfalt von Nebenwirkungen assoziiert sein. Ängstlichkeit, Provokation von Schlafstörungen (sogenannten Rebound-Phänomen), Konzentrationsstörungen, Verlangsamung der Reaktionsfähigkeit, welche z.B. beim Autofahren fatal sein kann, Beeinträchtigung der Atmung (Atemdepression), die bis zum Tod führen kann. Dies sind nur einige der vielen möglichen Nebenwirkungen. Als Resümee ist aufgrund der möglichen Nebenwirkungen und damit verbundenen Risiken daher die Kombination von Alkohol mit Schlafmitteln unbedingt zu vermeiden.

Können Schlaftabletten und Schlafmittel zum Tod führen?

Die Antwort zu dieser Frage ist eindeutig: Schlaftabletten und Schlafmittel können unter bestimmten Voraussetzungen gefährlich werden und auch zum Tod führen! Hierbei existieren verschiedene Möglichkeiten, wie es zu diesem Fall kommen kann:

  • Überdosierung: Schlaftabletten (meistens Benzodiazepine) werden häufig in Suizidversuchen eingenommen oder versehentlich mit Alkohol und anderen Drogen kombiniert.
  • Mansche Schlafmittel können das Risiko von Depressionen und damit auch die Suizidgefahr erhöhen.
  • Schlafmittel können zu einer Beeinträchtigung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten führen. Eine Tatsache, die zu Verkehrsunfällen und Stürzen führen kann.
  • Patienten mit kardiovaskulärer sowie respiratorischer Vorbelastung sind aufgrund der Dämpfung des zentralen Nervensystems besonders gefährdet.
  • Ähnlich ist es beim Vorliegen einer Schlafapnoe, wobei eine Verlängerung der Atempausen verursacht wird, welche ebenfalls zu einer kardiovaskulären Belastung führt.
  • Trotz der Einnahme von Schlaftabletten und Schlafmitteln kommt es bei der Mehrheit der Fälle nicht zu einer deutlichen Besserung der Schlafqualität. Eine Insomnie ist aber auch mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie mit einer Reduktion der Lebenserwartung assoziiert.

Welche Schlaftabletten und Schlafmittel sind die richtigen?

Die idealen Schlaftabletten und Schlafmittel sollten einen spezifischen Wirkmechanismus mit einer Induktion eines physiologischen Schlafmuster besitzen, ein großes therapeutisches Spektrum abdecken und keine Interaktionen mit anderen Medikamenten sowie keine Nebenwirkungen und Toleranz-/Abhängigkeits-Entwicklung aufweisen. Kein Schlafmittel kann all diese Kriterien erfüllen.
Die Auswahl des richtigen Präparates muss deswegen immer nach individuellen Kriterien erfolgen. Berücksichtigt wird dabei die Ausprägung der beklagten Beschwerden, die vorliegenden Risikofaktoren und Vorerkrankungen des Patienten sowie die unterschiedlichen pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Eigenschaften der in Frage kommenden Schlafmittelgruppen, so dass keine unerwünschten Nebenwirkungen und schlafstörungsassoziierten Erkrankungen auftreten werden.
Das ausgewählte Schlafmittel soll seine erwünschte therapeutische Wirkung, nämlich die Verbesserung des Ein- und Durchschlafens und dadurch der Tagesbefindlichkeit, mit der möglichst niedrigsten Dosierung und innerhalb des kürzesten Zeitrahmens erreichen.
Eine erfolgreiche medikamentöse Therapie benötigt darüber hinaus ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Der Patient soll ausführlich über die richtige Einnahme der Schlaftabletten und Schlafmittel, die möglichen Nebenwirkungen sowie die realistischen Erwartungen dieser Therapie aufgeklärt werden.
Im S•MED Schlaflabor in Recklinghausen begrüßen wir Sie daher herzlich auf dem Weg zu einer verbesserten Lebensqualität für Sie und Ihre/n Partner/in. Denn nichts fühlt sich besser an als:
Nachts gut schlafen, tagsüber fit.
Autor: Prof. Dr.mult. Ralf Siegert ; Dr. Alexandros Papapostolou